ETH Zürich Abteilung für Architektur

Nicola Di Battista Program 1999

  
 

Gastdozent Nicola Di Battista

 

Entwurf V-VIII
Wintersemester 1999
Aufgabentyp O/P

Assistenten: Alberto Alessi,
Dominique Lorenz, Karin Möllfors

Zeichensaal HIR  C11
Büro HIR C18, Tel. 633 37 53

 

Architektur tote Sprache ?

1 Ist die Architektur bereits eine tote Sprache geworden, oder ist es heute noch möglich, dass sie eine neue Glaubwürdigkeit erlangt?

2 Sich heute mit den Gründen für die Krise der Disziplin auseinanderzusetzen heisst vor allem, sich wirklich auseinanderzusetzen, und von neuem die Beweggründe dieses Berufes zu definieren, der das eigentliche Übel darstellt. Wem dient dieser Beruf? wozu dient dieser Beruf?

3 Wenn heute das Gespräch über Architektur so kompliziert geworden ist, dass es immer mühsamer wird, verstanden zu werden, so ist vielleicht auch für die Architektur wieder die Zeit gekommen, einen neuen Anfang zu setzen.

4 Es ist notwendig, die Bewegungen und Kräfte der Gegenwart selektiv erkennen zu lernen, und dies nicht aufgrund disziplinarischer und lokaler, sondern aufgrund allgemeingültiger Interessen. Diese sollten in der Lage sein, die Erwartungen des heutigen Menschen möglichst vollkommen und nicht nur in spezifischen Teilbereichen zu erfüllen.

5 Heute verlangt man von der Architektur einen würdevollen Anstoss und höhere Qualität. Wenn wir einen positiven Beitrag zum aktuellen Verfall leisten wollen, ist es die Qualität die zählt, nicht die Masse. Die Tatsache dass die Dinge sehr schwierig sind, darf uns nicht den Eindruck vermitteln, sie seien unmöglich.

6 Unsere schwierigste Aufgabe ist es, von neuem die Dringlichkeiten des Menschen unserer Zeit in Erfahrung zu bringen und

 

zu erkennen. Es ist nicht mehr möglich zu glauben, das Neue sei auf der Basis von Fragen von gestern zu errichten, oder, wie das vielleicht einige Male getan worden ist, auf Fragen von morgen.

7 Der zeitgenössische Architekt, der seine untergeordnete Rolle akzeptiert hat, arbeitet nur am architektonischen Objekt an sich, ohne sehen zu können, was in der Welt um ihn herum passiert. Diese Welt ist jedoch der einzige Ort, wo sein Objekt einen Wert erlangen wird.

8 Unsere erste Regel ist: so viel Bewusstsein wie möglich. Das Bewusstsein als Motto unserer Arbeit, als einzige mögliche Basis, als Prüfstein und Baumaterial des Neuen.

9 Der Architekt hat bereits seit zu vielen Jahren nur innerhalb seiner Disziplin und an deren Verfeinerung gearbeitet, ohne die Bewegungen und die Kräfte zu erkennen, die diese Zeit beleben.

10 Jeder von uns müsste versuchen, in erster Linie zeitgenössisch in der eigenen Zeit zu sein. Dies indem er zuerst die geeigneten Mittel erkennt, die diese Zeit hervorbringt.

11 Wenn wir uns nicht alle zusammen für die Suche nach neuen Inhalten einsetzen, die dem zeitgenössischen Menschen entsprechen, wenn wir nicht verstehen, dass es für die Architektur, ebenso wie für alle anderen menschlichen Aktivitäten, wesentlich ist, in Übereintimmung mit dem ganzen Menschen zu sein, werden wir keinen Schritt vorwärts kommen.

12 Für diese Arbeit muss man wieder einen

 

Inhalt finden, der über das konkrete Resultat hinausgeht, der sie sehr bewusst und bescheiden wieder in einen globaleren Zusammenhang stellt, als eine Tätigkkeit des Menschen für den Menschen.

13 Wir wollen die Unsicherheiten der Gegenwart nicht als Verzicht betrachten, sondern als eine Art Wegegeld, um von einer Epoche in die andere zu gelangen. Wir wollen das Durcheinander nicht als Ergebnis einer Unfähigkeit ansehen, aber als die Periode, die dem Anbruch einer neuen Ära vorausgeht.

Der Kurs wird in folgende Abschnitte eingeteilt: von der Bewusstwerdung, von der Immagination, vom Handwerk, von der Befreiung. Hier einige Richtlinien zur Entwurfsarbeit dieses Semesters:

- Die Stadt, mit der wir weiterhin arbeiten, ist Rom.
- Der für das Projekt ausgewählte Ort ist das Gebiet um die Basilica San Paolo.
- Das Projekt betrifft die gesamte urbane Ornung des ausgewählten Areals.
- Die Durchführung von verschiedenen Seminarien ist vorgesehen.
- Die Entwurfsarbeit wird in grösseren Gruppen entwickelt, mit dem Ziel, dass alle zusammen an einem kollektiven Projekt arbeiten.
- Die vom Professor gehaltenen Lektionen und Kritiken werden in italienischer respektive französischer Sprache gehalten, währenddem mit den Assistenten Deutsch gesprochen werden kann.

Einführung:
Montag, 29. März 1999,
10.00 Uhr im HIR C11