D-ARCH spacer Gastdozenten Quintus Miller / Paola Maranta
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Illustration

 

Grand Hôtel in St. Moritz (GR)

Der Alpenraum wurde im 19. Jahrhundert im Rausche eines romantischen Naturbildes und mit der Initiative von zahlreichen Unternehmern touristisch entwickelt. Neben den notwendigen Infrastrukturbauten für Bahnlinien, Strassen oder Kraftwerke entstanden zahlreiche Hotelbauten in den verzweigten Talschaften. An den Kreuzungspunkten kristallisierten diese Ansammlungen von Bauten zu urbanen Strukturen. Durch das 20. Jahrhundert erlebten diese Regionen eine äusserst wechselhafte Geschichte, die sich zwischen wirtschaftlicher Prosperität und kriegsverursachter Depression aufspannt. Es entstand ein Netz von touristischen Anziehungspunkten verschiedenster Ausprägung.
In der romantischen Wahrnehmung der Alpen wurden die ausladenden Hotelkomplexe des späten 19. Jahrhunderts als störende Eingriffe empfunden. Die Vertrautheit mit dem tradierten Bild des Landschaftsraums schien verletzt. Über die Jahre ergab sich eine Koexistenz von traditioneller Bodennutzung und touristischer Aktivität. Die Zeit hat die Bilder versöhnt, die einst gebrandmarkten Bauten gehören für uns zum vertrauten Bild der Alpenstadt.

 

Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umwälzungen der letzten Jahrzehnte in unserer inzwischen globalen Gesellschaft zeitigen zwei wesentliche Entwicklungen: Einerseits kann die ursprünglich für die Kulturlandschaft prägende Nutzung durch die Landwirtschaft nicht weiter überleben und die Attraktivität der Täler nimmt für die junge einheimische Bevölkerung ab, was die Siedlungen durch die Abwanderung entleert und obsolet erscheinen lässt. Andererseits macht die stetig zunehmende Mobilität den Alpenraum zu einem gigantischen Freizeit- und Eventpark: Innerhalb von zwei Stunden sind die Kurorte von den Schweizer Städten aus erreich- und der Landschaftsraum für verschiedenste Aktivitäten nutzbar. Der Alpenraum ist der Naherholungsraum der Ballungszentren. Darüber hinaus sind Orte wie St. Moritz bedeutende Treffpunkte und Drehscheiben der Spitzen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und werden in diesen Kreisen durchaus ernster genommen als viele der gewachsenen, städtischen Zentren der Schweiz. Dies führt zu einem Druck auf diese Orte, der eine rege Bautätigkeit nach sich zieht, wie es die zahlreichen Projekte im Engadin, in Davos, in Andermatt und anderswo belegen. Die Neuerfindung der Alpenstädte ist eine städtebauliche und architektonische Realität.

 

Die durch die gesellschaftlichen Veränderungen in Gang gesetzte Wandlung der Gemeinschaften und Ortschaften stellt die grundlegende Frage nach der Identität eines Ortes.  Es interessiert uns, den Essenzen eines Ortes nachzuspüren und die Charakteristik zu verstehen. Wir suchen Inhalte, die wir über Bilder kommunizieren können. Wir suchen aber auch die angemessene Vieldeutigkeit, die die Lesbarkeit erhöht und die entwerferische Nachhaltigkeit steigert. Wir übernehmen Verantwortung für Haus, Siedlung und Landschaft.

 

Mit einer 3- tägigen Exkursion in das Oberengadin von Montagmorgen, 15.09.08 bis Mittwochabend, 17.09.08 führen wir in das Semesterthema ein. Die ersten zwei Tage mit ausgewählten Besichtigungen und Vorträgen sind ein Angebot des Lehrstuhls. Die Teilnahme zur Einführung in die konkrete Aufgabenstellung am Mittwoch 17.9.08 in St. Moritz ist für alle Studierenden des Kurses obligatorisch.

 

Weitere Informationen zu Kosten, Anreise, Treffpunkt und Unterbringung erfolgen per e- mail an die angemeldeten Kursteilnehmer und Kursteilnehmerinnen.

 

Arbeitsort: Zeichensaal HIR C 11

Aufgabentyp: E (Entwurf)

Einführung : Mittwoch 17.9.08 in St. Moritz

 

Assistenz: Zeichensaal HIR CO 12

E-Mail: millermaranta@arch.ethz.ch

 

Download: PDF


14.08.2008 webmaster@arch

 

 
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